Samstag, 21. April 2018

31. Spieltag: Der verkannte Niko

Was für eine Eintracht-Woche mit Auf und Ab und einem Wechselbad zwischen Wut, Apathie,  Trotz, Glück und Zweifel, immer wieder Zweifel.

Da war die Klatsche in Leverkusen, die man geahnt hatte. Klar, so würde es kommen. Saison am Arsch. Der immer noch trotzige Trainer,  der keinen Fehler gemacht hat und ruhig schläft. Beleidigt,  verkannt. Die Bayern, die den ebenfalls beleidigten Fredi Bobic "zur Räson"bringen. Geburtstagsfeiern in Geretsried. Haha. Hoho. So war das also. Die Versöhnung. Kein Misston in der Geschäftsstelle,  nirgends. Beste Freunde.  Die nicht enden wollende Kette der Stand jetzt-Witze. Aus Niko wird der Kroate bzw. der Kroate mit dem eiskalten Blick. Größte Enttäuschung ever. Menschlich, moralisch. Besser er geht jetzt gleich. Aber so ist das Geschäft. Und da ist der Verein, der größer ist als wir alle. Formierung der ersten Jetzt erst recht-Rufe. Die Fokussierung. Die Mannschaft, die sich nicht aus dem Konzept bringen lässt. Dann das präsidiale Video, das Gänsehautmomente und die unglaublichen Fans beschwört, den Schulterschluss fordert und mir einen Schauder verursacht. Manipulationsmasse. Stimmungskulisse. Und alle so yeah. 


Samstag, 14. April 2018

30. Spieltag: Und jetzt so?

Gestern war: Wut, Enttäuschung, Fassungslosigkeit. Heute brodelt es immer noch in mir, aber ich versuche, es wegzudrücken. Da ist vor allem ein ich-will-nicht-mehr-darüber-Nachdenken-Gefühl. Herr K. Aus M.? Abgehakt. Mich hat es erschreckt wie sehr mich dieser ganze Mist gestern mitgenommen und aus der Kurve getragen hat. "So ist halt das Geschäft". Zwischen Wissen und Fühlen ist ein himmelweiter Unterschied und von Abgebrühtheit bin ich offensichtlich meilenweit entfernt. Im Moment leider auch von einem "Jetzt erst recht."

Die Sonne scheint. Im den Tulpenblüten im Garten glitzern die Regentropfen von gestern und das schwarzundweiße Kätzchen humpelt wacker durchs Gras.

Nachher das Spiel der Eintracht in Leverkusen? Schaun wir mal.

Freitag, 13. April 2018

Ab dafür!

Story Telling - das ist eine - speziell im Social Media-Zusammenhang gern genutzte - Marketingtechnik:  Geschichten geben Produkten ein menschliches Gesicht. Man überlegt, welche besonderen Benefits das eigene Produkt zu bieten hat, fokussiert diese Einzigartigkeit und  findet Menschen und Situationen, die die Geschichte glaubwürdig vermitteln können. So weit, so gut und nicht verwerflich. Man stärkt damit einen persönlichen Bezug der potenziellen User/Kunden und daran muss ja nichts verkehrt sein, zumal dann, wenn die Strategie mit der Realität korrespondiert, idealerweise sogar übereinstimmt. Die Marketingabteilung der Eintracht hat - was zu beweisen war und ja auch bereits mit Preisen honoriert wurde  -  richtig gute Arbeit gemacht und  mit ihrer "Story" genau die Punkte identifiziert, mit denen sie uns Eintrachtler erreicht. Die Geschichte vom grundehrlichen, anständigen und hart-arbeitenden, nicht nach links und rechts schauenden Trainer, die verschworene mulit-kulti Gemeinschaft mit Spielern aus aller Welt, eine Einheit mit den Fans und der besonderen Eintracht-Fankultur,  den Adler im Herzen und ein gemeinsames Ziel vor Augen. Nur zu gerne haben wir uns diese Geschichte erzählen lassen, Widersprüche ausgeblendet und uns bereitwillig im Widerschein unserer eigenen Eintracht-Geschichte gespiegelt. Wir!

Montag, 9. April 2018

29. Spieltag: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

„Wir sehen uns doch im Stadion?“ Das hat mich meine Adlerfreundin Dagmar am letzten Mittwoch per Whats App gefragt. „Bin auf jeden Fall da -  wenn nichts ungewöhnliches dazwischen kommt,“ habe ich ihr geantwortet.

Bei strahlendem Sonnenschein starte ich am Sonntag um halb vier – für meine Verhältnisse besonders früh – aus dem rheinhessischen Hinterland in Richtung Waldstadion. Zeitig da sein,  bei Black and White eine lecker Bratwurst verspeisen, mit Nicole, Zoë und Rosa auf dem Mäuerchen sitzen, Sonne auf den Kopf scheinen lassen und aufs Spiel einstimmen. Dann früh ins Stadion, um für einen Bremer Adlerfreund und mich eines der neuen „United Colours“-Shirts zu ergattern. So ist der Plan. Für alle Fälle habe ich das schwarze Shirt der letzten Aktion jetzt schon mal an – schwarz und/oder weiß – Hauptsache united.

Die Autobahn ist erfreulich leer, Sonntagsausflügler, viele Cabrios – Ruckzuck bin ich am Flughafen vorbei und nehme wie immer die Ausfahrt Frankfurt Süd. Hier wird es voller, Stau Richtung Würzburg, Stau auf der Abbiegerspur zum Stadion, im Stop and Go kommen wir langsam voran. Ich bin auf Höhe Waldparkplatz als mir auffällt, dass da vorne an meiner Armatur ein rotes Lämpchen blinkt. Bing bing. Keine Ahnung, was das  bedeutet, aber so richtig vielversprechend sieht es nicht aus. Ach was. Bin ja gleich da. Wird schon gut gehen. Zwei Minuten später weiß ich: Wird nicht. Mein Auto qualmt  - Hilfe  -, aber zum Glück kommt da gleich eine Stelle, an der ich  auf dem Seitenstreifen anhalten kann.  Was für ein Mist. Dort ist das Stadion. Hier bin ich. Und nun?

Montag, 2. April 2018

28. Spieltag: Jacke wie Hose

Eieieieieieiei. Das letzte männliche Breitmaulnashorn ist schon vor zwei Wochen verstorben,  jetzt verliert die Eintracht  durch einen dabbischen Fehler von Lukas Hradecky in Bremen, Ante Rebic hat einen Muskelfaser- und  (was für mich im Moment weit schlimmer wiegt) unser liebes schwarzundweißes Kätzchen einen Kreuzbandriss erlitten. Das Kätzchen ist tapfer und mein Kummer groß.

Samstag, 17. März 2018

27. Spieltag: ErInnerungsPunkte

 "Da ist man hingefahren, hat drei Punkte mitgenommen und ist wieder nach Hause gefahren," sprach Fredi Bobic auf dem Frühlingsfest der Eintracht, bei dem im Palmengarten zu Frankfurt Sponsoren und Honoratioren der Eintracht zu Gast waren. So war das also früher, wenn man in Stuttgart gespielt hat und zum Auswärtsspiel bei diesem Krauterverein Eintracht angereist ist. So so. Und einmal mehr ärgere ich mich über diesen nonchalanten Schnodderton, der in meinen Ohren so klingt als sei die Eintracht ohne Fredi Bobic eine Provinzklitsche gewesen.  Ich habe mir mal die Mühe gemacht und nachgeschaut, wie oft Fredi Bobic in seiner aktiven Zeit nach Frankfurt gekommen ist  und drei Punkte mitgenommen hat. Und jetzt weiß ich es: Genau NULL mal. In Bobics Zeit beim VFB Stuttgart reichte es zu drei Unentschieden, während seiner Zeit beim BVB schlägt ebenfalls lediglich ein 1:1 zu Buche.  Beim einzigen Sieg des VFB in Frankfurt in diesen Jahren war Bobic nicht dabei. Ok, die Zahl der Eintrachr-Bundesligapartien in den Jahren 1994 bis 2002 waren begrenzt, da die Eintracht, mmh, in dem einen oder anderen Jahr durch Abwesenheit glänzte, trotzdem halten wir fest:  Ganz so einfach war es auch früher nicht nach Frankfurt zu fahren und drei Punkte mitzunehmen. Auch vor Fredi Bobic.

Sonntag, 11. März 2018

26. Spieltag: Die Freiheit, das Spiel zu genießen

Von Freiheit und Genuss weit entfernt, ist allerallerspätestens seit gestern der HSV, dem in dieser Saison wohl wirklich und wahrhaftig die Bundesligaluft ausgeht, Heribert „warum hat er sich das bloß angetan“ Bruchhagen kann das Gefühl derzeit schon austesten , aber ganz sicher können wir erst dann sein, wenn wirklich der allerletzte HSV-Witz (von wegen Uhr, Dino und Raute) gemacht ist.

Ganz anders die Situation bei unserer Eintracht. Sie hat in dieser Woche am 8. März ihren 119. Geburtstag gefeiert. Zeitgleich mit dem Weltfrauentag, was nichts zu bedeuten hat, und gleichzeitig mit dem zwei-jährigen-Jahrestag von Niko Kovac, was durchaus als glücklicher Zufall oder – wenn man hochgreift – sogar als schicksalshafte Fügung bezeichnet werden könnte. Seit zwei Jahren ist Niko Kovac jetzt unser Trainer und es fällt im Moment wirklich schwer ein Haar in der Suppe zu finden. Seit zwei Jahren ist Niko Kovac jetzt unser Trainer und es fällt im Moment wirklich schwer ein Haar in der Eintracht-Suppe zu finden. Mich quält zwischendurch zwar immer noch der Zweifel am großen Ganzen, aber es ist wahrlich nicht der richtige Zeitpunkt für Grundsatzdiskussionen. Binde und Schui? Wie es aussieht, kein Thema, zumal die U19 seit der Entlassung Aufwind zeigt. Alex Meier, der nie nie wieder eine Chance haben wird, war für mich ein schwelender wunder Punkt, den ich nach seinem Einsatz im Testspiel jetzt ebenfalls nicht mehr ins Feld führen kann.  Auch der lange Zeit häufig bemühte „Abnutzungskampf“ scheint aus dem Sprachschatz unseres Trainers verschwunden und selbst die historisch gewachsene Eintracht-Skepsis (am Ende kommt es doch immer anders) lässt sich nur äußerst mühsam aufrecht erhalten.