Sonntag, 11. Februar 2018

21. Spieltag: Närrische Tage im Wald

Für mich ist Fastnacht in seinem Kern weniger laut und krakehlig, sondern rührend und ein bisschen melancholisch. Das erkennt man am besten, wenn man nicht mittendrin ist, sondern am Rande, z.B. gestern als ich mich aus dem rheinhessischen Hinterland auf den Weg in Richtung Waldstadion mache. Im Nachbarort findet heute Nachmittag ein Fastnachtsumzug statt und während ich mit dem Auto Richtung Frankfurt brause, zieht es die Menschen aus den umliegenden Orten zur Fastnacht. Aus allen Himmelsrichtungen laufen kleine kostümierte Trupps durch die kahlen Äcker auf Harxheim zu. Je nach Entfernung leuchten die Kostüme durchs Grau oder zeichnen sich als Silhouette am grauen Horizont ab. Eine Gruppe Indianer mit Federschmuck auf dem Kopf, Schweine, Außerirdische, Hasen, Superman, ein Gardist in Uniform,  kleine Prinzessinnen, im Ort selbst passiert gerade eine ganze Kuhfamilie eine Seitenstraße, im mitgeführten Rollkarren sitzt ein Mini-Fastnachter, ebenfalls als Kuh bzw. Kälbchen verkleidet.
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Samstag, 20. Januar 2018

19. Spieltag: Mit Wolf gegen die Wölfe

Schon immer wundere ich mich darüber, woher die Tiefs und Hochs ihre Namen haben. Dachte immer, das denkt sich einfach jemand aus. Neulich, bei Hoch Edlibert kam ich ins Grübeln - kann sich diesen Namen jemand ausdenken? - und habe mal gegoogelt. Deshalb weiß ich jetzt, dass die Namen Namen für Hochs und Tiefs im Zuge einer Namenspatenschaft vergeben wird. Diese Namenspatenschaft kann man kaufen und damit junge Wissenschaftler unterstützen kann. Per Formular kann man sich bewerben, bekommt den Zuschlag (oder nicht) und eine entsprechende Urkunde. Die Zuteilung ist zeitlich nicht festgelegt, sie folgt - in alphabetischer Reihenfolge - der Frequenz der Hochs und Tiefs. Männlich sind die Hochs immer in geraden Jahren, entsprechend die weiblichen in den ungeraden. Und so hat Namenspatin Friederike dieses Jahr das Glück eines ganz großen Auftritts als Tief gehabt. Ob das Spiel der Eintracht heute in Wolfsburg auch zum großen Auftritt? Zum Hoch oder Tief? Nach dem am Ende ja doch irgendwie verbumfidelten Heimspielrückrundenauftakt gegen Freiburg könnte das Spiel heute schon so ein bisschen richtungsweisend für die Rückrunde sein. Können wir die Heimschwäche auch weiterhin durch Auswärtssiege kompensieren? Dann könnte das was werden mit einer endlich mal erfolgreichen Rückrunde, und sonst? Gewinnen wir eben den Pokal (stopp, Denkfehler:auf dem Weg dorthin liegt mindestens noch ein Heimspiel...) Auch in Sachen Eisbär gibt es übrigens Neuigkeiten. Der Titelseite der "Hör zu" entnehme ich: Er ist in Gefahr. Und ich fürchte, das kommt der Wahrheit näher. Auswärtssieg und sonst gar nix.

Sonntag, 14. Januar 2018

Impressionen von der Waldtribüne vor dem Spiel gegen Freiburg

Ungewöhnliche Umstände befördern ungewöhnliche Verhaltensweisen. Während ich normalerweise immer kurz vor knapp in letzter Minute Richtung Stadion hechele, habe ich mir vorgenommen, mir im neuen Jahr - nicht nur in Sachen Waldstadion - zeitlich etwas mehr Luft zu verschaffen. Hurra - der Anfang ist gemacht und ich schaffe es tatsächlich schon um kurz nach 1 im rheinhessischen Hinterland in Richtung Waldstadion zu starten. Die Vorteile der früheren Anfahrt sind offensichtlich. Kein Stau nirgends, mein Lieblingsparkplatz ist noch frei, statt zum Stadion zu rennen, schlendere ich zügig, aber entspannt durch den Wald und genieße die Spieltagsatmosphäre. Aus allen Richtungen strömen große und kleine Adler, zu Fuß, per Rad oder S-Bahn, einzeln oder in Gruppen, Mützen, Schals. Bratwurst Walter dampft, Pulks von Menschen stehen  um Tische und Bänke und diskutieren die bevorstehenden Ereignisse und aktuellen Fragezeichen. Rückrunde. Heimspiele. Pokal. Hradecky. Reihe mich am Eingang in eine noch sehr überschaubare Menschenschlange, bin in nur fünf Minuten durch und stapfe in Richtung Stadion.

Samstag, 13. Januar 2018

18. Spieltag: Smart ist apart.

Die Sonne scheint. Das neue Jahr ist fast schon wieder Schnee von gestern und dann wollen wir mal. Rückrundenauftakt gegen Freiburg - endlich! (so said) und ich bin gespannt, ob die supersmarte Saisonvorbereitung - alles perfekt, alles super, alles diszipliniert, alles demütig  - der Eintracht sich wie geplant auf den Verlauf die Rückrunde auswirkt. Was soll schief gehen? Nichts ist dem Zufall überlassen. Die neue Eintracht erinnert mich an Designerjeans, die so perfekt sind, dass man bereits vor Gebrauch Löcher hineinschneidet, damit sie authentisch aussehen.  Meine Jeans haben Risse, weil ich die schon ein paar Jahre trage und mit eben diesen mache ich mich erwartungsvoll und unverdrossen auf den Weg Richtung  Stadtwald und will doch mal schauen, ob der frischgebackene Schütze des Tor des zurückliegenden Jahres gegen Freiburg zum nächsten - hoho - Streich ausholt und uns die Mannschaft zum Jahresaufrakt einen Heimsieg beschert.

Gerne möchte ich euch noch eine meiner neuen Lieblingsschlagzeilen mit auf den Weg geben, die ich letzte Woche in unserer Lokalzeitung gelesen habe: "Der Eisbär vermisst nichts." Und vielleicht sollten wir ihn uns deshalb zum Vorbild nehmen.

Heimsieg gegen Freiburg und sonst gar nix.


Sonntag, 24. Dezember 2017

Still, still ganz still

Heute am Heiligabend bin ich morgens schon sehr früh aufgewacht. Ich schrecke hoch. Kurze Verwirrung:  Heute war doch irgendwas? Wichtiger Abgabetermin? Call? Eintracht? Irgendein "muss", "sofort", "heute", "unbedingt"?  Dann die Erkenntnis. Nichts von alledem. Durchatmen, entspannt bleiben. Ja, heute ist etwas: Weihnachten. Draußen dämmert es gerade. Auf Socken tappere ich durchs Haus und husche von Fenster zu Fenster, um etwas von Weihnachten zu spüren. Öffne die Tür zum Garten, leichter Wind,  mild, trotzdem fröstele ich in meinem dünnen Eintracht-Schlafeshirt.  Der Himmel ist  grau und wolkenverhangen, dünner Nebeldunst. Die Nässe der vergangenen Tage liegt schwer auf den Bäumen und Büschen. Die verblühten Hortensien hängen ihre Köpfe. Nasses Laub klebt auf dem Rasen. Die Beete sind kahl und matschig. Vom Rosenstrauch neben dem Bänkchen leuchtet eine einzelne, spät erblühte Rose . Die schwarzundweiße Katze ist auch schon wach und sitzt neben mir auf der Fußmatte.  Sitzkatze. Etwas missmutig schaut sie ins Freie. Es ist still, so still, dass ich die Stille hören kann. Die Stille der kommenden Christnacht mischt sich mit der des Sonntags.  Kein Auto, kein Nachbar, der irgendwo mit einem elektrischen Gerät zugange ist, kein Flugzeug, kein Mensch auf der Straße, kein Rollladen,  der knattert,    nicht einmal ein Vogel,  der flattert oder piepst.  Einfach nur: still. Ab und zu ein leises Rascheln der dürren Zweige oder ein tropfen, der sich von einem Blatt löst und beim Aufprall zerplatzt. Ich stehe ganz ruhig, fast atemlos, fühle mich glücklich und frei. Weihnachten. Dann trete ich den Rückzug in Richtung Bett an. Bei offenem Fenster noch einmal einkuscheln und in die Weihnachtstage hineinträumen. Die schwarzundweiße Katze hält das für eine gute Idee, hopst aufs Bett  und kringelt sich in meine Armbeuge. Von fern bellt Pucki,  der Nachbarhund. Wir schlafen ein.

Allen, die hier regelmäßig mitlesen oder ab und zu vorbeischauen ein frohes Weihnachtsfest und eine gute, friedliche Zeit. And the bells are ringing out for Christmas day...


Samstag, 16. Dezember 2017

Vom 16. zum 17. Spieltag: Warum die Eintracht nicht nur Auswärtstabellenführer ist, sondern heute auch ganz sicher den dritten Heimsieg einfährt

Dienstag. Und ist es auch Wahnsinn, so hat es wie's aussieht doch Methode. "Ein Spiel wie eine Kneipenschlägerei. Immer noch ein Schwinger für den HSV, " kommentiert der Sky Reporter die erste Halbzeit des Spiels der Eintracht in Hamburg. In der zweiten Halbzeit setzt es dann umgekehrt mehr Schwinger für die Eintracht, aber wir haben die besseren Nehmerqualitäten. Auswärtstabellenführer. Hüpf. Kreisch.

Mittwoch. An einem überaus hektischen und anstrengenden Tag freue ich mich aufs abendliche Weihnachtsmärchen, schaffe es hechelnd gerade noch rechtzeitig ins Theater und starte mit Peterchen, Lisa und dem Maikäfer Sumsemann zum Mond, wo zwar in diesem Fall kein Hesse, aber allerlei Himmelsbevölkerung zu finden ist und die Sterne leuchten.