Sonntag, 10. Dezember 2017

15. Spieltag: Sensation in Frankfurt

Der 15. Spieltag der Bundesligasaison 2017/18 könnte in die Bundesligageschichte eingehen. Wie verlautet, tagt derzeit in Frankfurt der Videosssist-Ausschuss der DFL, der per Videokonferenz (logisch!) mit dem operativen Videoassist-Team in Köln verbunden ist. Thema ist die knappe Niederlage der ruhmreichen Frankfurter Eintracht,  gegen die unter Trainer Josef Heynckes gewohnt aseptisch und diskussionsfreudig aufspielende designierte Meistermannschaft aus Bayern. Eine Sensation liegt in der Luft, die gleichzeitig good news für die Frankfurter Eintracht bedeuten könnte.

Sonntag, 3. Dezember 2017

14. Spieltag: Leise rieselt der Schnee

Es ist erster Advent und es schneit, das ist wunderbar. Adler-Freunde, die im Moment in Berlin am Stadioneingang stehen, vermelden Minustemperaturen, kalte Hände, fast abgefrorene Hinterteile, aber gute Stimmung und so sollte einem Auswärtssieg beim Fast-Tabellennachbar in Berlin nichts im Wege stehen. Blick vorsichtig nach oben oder doch fest nach hinten? Wir werden sehen.  Hertha ist nach dem Sieg in Köln - so said - wieder zurück in der Erfolgsspur, will nach vorne spielen und das Spiel bestimmen. Niko Kovac schaut, auch wenn dort Berliner Freunde und Bekannte winken, nicht nach links und rechts, sondern nur auf drei Punkte. Ganz wie Mit-Berliner Prinz Boateng, der nur Punkte mitnehmen und dann wieder heimfahren möchte.

Niko Kovac beklagt den Werteverlust in der Gesellschaft und ein kleines bisschen nagt in mir der Verdacht, dass aus seiner Sicht Werteverlust sich z.B. auch darin äußert, wenn kritische Stimmen zum Spiel der Eintracht laut werden.  So übermäßig viel wird im Moment ja nicht kritisiert. Könnte aber sein, dass sich das  generell nicht gehört, weil man der Arbeit des Teams damit nicht genug Respekt zollt. Darüber muss ich nachdenken.

Das Eintracht-Museum feiert Geburtstag: Es war ein dufter Abend!*

(Nachtrag vom 29.11.2017)

Viel zu lange war ich nicht mehr im Eintracht-Museum, aber heute, bei der Geburtstagsfeier zum 10-jährigen Bestehen will ich unbedingt dabei sein, schon vor Wochen habe ich mir Karten besorgt und am Dienstagabend, pünktlich (!) um halb Sieben biege ich auf den Stadionparkplatz ein. Dort ergattere  ich - hurra - einen der letzten noch freien Plätze, das Waldstadion leuchtet heimelig in der Ferne und ich mache mich erwartungsfroh auf den Weg.

„Ich hab auf dich gewartet“, schallt es mir schon nach wenigen Metern entgegen. Dort steht Frank, mit dem ich mich für heute Abend verabredet habe. Wie das in Facebook-Whatsapp-Zeiten so ist, hören wir zwar regelmäßig voneinander,  haben uns aber - da wir auch im Stadion an verschiedenen Ecken sitzen - seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Frank hat ein Geschenk für mich dabei,  das er schon seit einiger Zeit bei sich zu Hause im Schrank liegen hat, und jetzt wissen wir auch ganz genau, wann wir uns zum letzen Mal in echt getroffen haben. Unglaublich, das war vor vier Jahren - in Bordeaux.

Der Abend ist kalt und klar und vor dem Museumseingang hat sich bereits eine Warteschlange gebildet. Dort entdecke ich Kid, da kommt Nicole. Umarmungen,  Wiedersehensfreude und ich bin hibbelisch fast wie vor einem Spiel. Vorfreude mischt sich mit großen Erwartungen.„Große Erwartungen?“ sagt Kid. „Da bist du bei der Eintracht auf jeden Fall richtig.“

Samstag, 25. November 2017

Dreizehnter Spieltag: Demütig im Martinssommer

Gestern und vorgestern war das Wetter sonnig und mild - nicht so sonnig und mild wie angekündigt, aber immerhin. Heute regnet es. Und das heißt:  Der "Martinssommer",  von dem ich bis vor zwei Tagen noch nie etwas gehört hatte, liegt dann also hinter uns (auch wenn ich den Begriff ohnehin weniger mit dem heiligen St. Martin und dem November als mit einem anderen Martin verbinde und fast das Gefühl habe, er sei extra für ihn erfunden worden. )

Eintracht über dem grünen Klee
Martin steht in der Kritik (das sind dann wohl die kurz nach dem Martinssommer einsetzenden Nachtfröste), ganz anders die Eintracht, auf die es rund herum Lob hagelt. Und spätestens seit sich auch Thomas Berthold in die allgemeine Lobhudelei eingereiht hat, kann einem Angst und Bang werden. Zwischen "Fußball zum Abgewöhnen" und "Ich sehe nicht viele fußballerisch bessere Klubs zur Zeit" liegen gerade einmal zwei Monate. Immer gut, wenn man sein Fähnchen rechtzeitig in den Wind hängt.

Auch Niko Kovac bleibt seiner Linie treu: Er ist demütig und arbeitet. Ora et labora. Und folgerichtig ist auch für das Spiel heute gegen Leverkusen ebenso wie schon gegen Köln und gegen Mainz der obligatorische "Abnutzungskampf" avisiert. Das ist ja ohnehin das, was wir  "Fans so lieben"  und da ist es ist gut, dass wir dank Fredi Bobic schon vor Jahr und Tag dafür bereit waren, zumal es ein großes Glück ist, dass dieser Abnutzungskampf wahlweise "intensiv""unerbittlich", mitunter sogar "anarchisch" geführt werden kann. Gut, dass zumindest noch nicht vom Stellungskrieg die Rede ist.

Samstag, 18. November 2017

Zwölfter Spieltag: I bims zuversichtlich vong Gefühl her

In dieser Woche sind  fußball- und außerfußballmäßig so viele große und kleine kuriose Meldungen - vom singenden Trump-Nachwuchs bis zum Öko-Atomstrom - durch die Welt und das Netz gegeistert, dass es mir schwer fällt, mich für einen Aufhänger für meinen Spieltagseintrag zu entscheiden.  Ok, meine Wahl fällt auf das das "Ausreise-Center" bzw. Abschiebegefängnis in Ingelheim. Dort werden überwiegend so genannte Gefährder untergebracht.  Weil sich die "Qualität der Häftlinge" verändert hat, sollen jetzt die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden. "Qualität der Häftlinge vong Gefährlichkeit her" möchte man ergänzen und es keimt der Verdacht auf, dass das, was gerne als "Jugendsprache" bezeichnet wird, möglicherweise keine Sprachverstümmelung, sondern vielmehr eine Bereicherung der "Normalsprache" sein könnte, deren Qualität ja auch zunehmend zu wünschen übrig lässt. Qualität gibt es ja überall und in jeder Ausprägung. Während sich zum Beispiel die Qualität der italienischen Nationalmannschaft offensichtlich verschlechtert hat, hat sich die Qualität der Frankfurter Eintracht in dieser Saison eindeutig verbessert. Und ich überlege noch, welche Art von Qualität gemeint sein könnte. Mehr so vong Professionalität her? Vong Fußball? Vong Tore schießen?  Ich entscheide mich für: Qualität vong Marketing.

Montag, 13. November 2017

Zehnter und elfter Spieltag: Schnipsel vor, während und nach den Spielen in Mainz und gegen Bremen

Mittwoch, 25.10.2017
Nach dem Pokal ist vor dem Spiel in Mainz und wie jedes Jahr frage ich mich, ob dieses Spiel besonders interessant oder gerade das Gegenteil davon ist. Ein lieber 05er-Freund betreibt, wie in jedem Jahr, eine ausgeklügelte Vor-dem-Spiel –Taktik: Er schmiert mir Honig um den Bart, um mich in Sicherheit zu wiegen: Auf jeden Fall wird die Eintracht dieses Jahr gewinnen. Mentalitätsmonster seien wir. Spielerisch den 05ern sowieso meilenweit überlegen. Es stünde vollkommen außer Frage, dass wir die "Mainzer Buben" überrennen. Einen Kantersieg landen. Drei, vielleicht sogar vier zu null. Timeo Danaios et dona ferentes. Nicht mit mir. Schweig. Apage satanas.  Trotzdem überlege ich kurz, ob ich nach mehrjähriger Abstinenz in Main mal wieder live im Stadion dabei sein will - Karten gäbe es noch, aber:  ach nö.

Donnerstag, 26.10. 2017
"Dieses Jahr geht was in Mainz."  Das ist die Auffassung, die sich auch im allgemeinen Meinungsbild allmählich durchsetzt. Wir haben in Köln gewonnen. Wir haben in Hannovergewonnen. Damit hat auch keiner gerechnet. Richtig. Aber wenn wir jetzt damit rechnen, rechnen wir ja offensichtlich damit. Oder? War ich gestern noch der Auffassung, dass es mir vollkommen ausreicht, das Spiel maximal im Live-Ticker zu verfolgen, möchte ich jetzt doch lieber zumindest per Live-Stream dabei sein.  Na gut – dann ordern wir eben einen Amazon Fire Stick, um den wir bisher aus gutem Grund einen Bogen gemacht haben. Man weiß nie, zu was es gut ist. Oder was man sonst so in Situationen sagt, in denen man sich selbst zum Affen macht.

Samstag, 21. Oktober 2017

Neunter Spieltag: ein Gedicht

Es ist Herbst, die Blätter fallen und
während in der Welt da draußen längst nichts mehr so ist, wie es noch nie war,
tun wir, was wir tun müssen.  Streifen uns
rotundschwarze Trikots über den Kopf, greifen nach Schals, vergessen
auch die Mütze nicht (es könnte regnen)
Und
ziehen hinaus in den Wald, wo die Eintracht
spielt. Schon immer, auch damals schon.
Früher.

„Heut gewinnt die Eintracht,“ ruft mein
Nachbar, der mich ins Auto steigen sieht. Thumbs up.
Die Dortmunder sind zu packen, heute, denke ich,
während ich fahre und Arcade Fire dazu singt.
Everything now.
Die Wolken ziehen, erste Regentropfen fallen und
ich hoffe zumindest auf: Fußball.
Rare Momente, in denen
die Zeit sich überlappt und alles jetzt ist und wir fühlen,
dass es genau so bleibt, dass es echt und wahr und groß ist,
bevor wir uns wieder daran erinnern,
dass wir es doch längst besser wissen,
uns keiner mehr etwas vormachen kann,
und ohnehin
das nächste Spiel immer das schwerste ist.

Es ist Herbst, die Tore fallen.

Heute hoffentlich vor allem für die Eintracht.